Sonntag, 30. März 2014

tiefmatt macht Urlaub oder heiße Füße in Dublin/ Tag 1

Es begab sich, dass tiefmatt, von der Sehnsucht nach der kleinen Schwester und der grünen Insel geplagt, ihren kleinen grünen Koffer namens Fiffi zumüllte und bei herrlichsten 21°C und Sonnenschein Berlin verließ und mit dem minimalsten Komfort und maximaler Absturzangst, die eiskalten Schweißhände fest in die trockenheißen Gärnterhände gekrallt, im von Wolkenbrüchen und Hagelschauer geplagten Irland zur Landung ansetzte.

Abb.1: Goodbye Deutschland!

Abb.2: Hello Dublin!

 Dem Taxifahrer machte es sichtlich Freude unsere kleine Weißwurstlederhosendelegation abzuzocken und setzte uns beschwingt vor der Absteige für Feierwütige und Schlaflose ab. Im Reise-Know-How stand doch geschrieben, dass es einheitliche Taxitarife gäbe, an die sich selbst die knilchigsten Kanaillen halten müssten, Mister Gleeson jedoch schien noch ausgefuchster zu sein als manch Bayernfunktionär.

Das Cowgirl quartierte sich bei uns ein und gemeinsam mussten wir über die wohl toteste Ratte Dublins steigen um kulturellen Gepflogenheiten gemäß im vermeintlich günstigsten Supermarkt der Stadt einzukehren,  denn scheinen Tesco und auch namentlich geldbeutelschonende Spar doch in der Preisklasse Edeka/Perfetto mitzuspielen. Wie gut, dass das Cowgirl sich nach zwei Monaten Aufenthalt schon außerordentlich souverän durch die Stadt bewegte und ihre Schwester und Anhang zielsicher um manche Touristenfalle manövrierte.

Was hat der Lidl in Dublin. was es in Deutschland nicht gibt: Einkaufswagen lassen sich nur mit 2 Eurostücken bestücken, gibt nur schwarzen Tee, dafür viel Cheddar, geile Gemüseauswahl, Mincesauce aus der Konserve, TK Pies.

Dank der Entscheidung im Apartment einzuchecken, hatten wir eine großzüge Küche mit Geschirrspüler (aber ohne Schneidemesser) zur Verfügung und haben aufgrund des günstigen Lebensmitteleinkaufs gehörig Geld gespart.

Nach einer durchschnachten Nacht, die das Cowgirl auf einer scharf angezogenen Klappcouch wie eine Feder in der Mausefalle geschlafen hat, sind wir bei schönstem Sonnenschein die 200 Meter zur Christchurch gelaufen, dann zur Saint Patricks Cathedral abgebogen und nach fünf Minuten Fußmarsch völlig durchnässt schutzsuchend ins Kircheninnere gestürzt.


Der Eintritt kostet für Studenten 4,50 Euro. Im Inneren der Kathedrale fallen neben den kunstvoll gestalteten Kirchenfenstern vor allem die vielen Statuen und Stifterportraits auf. Unter dieser Zugestelltheit leidet die Atmosphäre, teilweise hat man das Gefühl, dass manche Statuen die Risse in der Wänden und schlecht verputzte Stellen kaschieren sollen, man konnte sich nicht des Gefühl erwehren, dass das Geld schon immer knapp war und diese ganze Stiftergeschichten die Kommerzialisierung der Kunst eindrucksvoll demonstrierten #AlbrechtvonBrandenburg #HalloMaike. Trotz der Kramladenatmosphäre ist der Besuch in Saint Patricks auf jeden Fall etwas besonderes was man sich nicht entgehen lassen sollte.

Abb.3: Gärtnermeister und tiefmatt demonstrieren eine Auswahl an wettertechnisch ungünstiger Oberbekleidung vor der Fassade Saint Patricks
Unbezahlbarer Expertentipp: Falls ihr plant nach Dublin zu fahren, nehmt euch eine wasserfeste Jacke und Schuhe mit, Regenschirm bergen dank des Windes eher ein Verletzungssrisiko als Nässeschutz.
Auf dem Weg zur Grafton Street haben wir zufällig ein wunderbares Café gefunden, "Tamarama", dort gibt es neben den leckersten Sandwiches der Welt, die mit Bulgursalat serviert werden auch fluffiges Gebäck, schmackhaften Cappuchino und Tee von Teapigs. Die Einrichtung erinnert eher an New Orleans oder ein angesagtes Café in LA und die beiden Betreiber sind tiefenentspannt und aus dem Boxen dröhnen die Fugees. Die Preise sind einwandfrei günstig.

Abb. 4: Leute die im Café ihre Speisen abfotografieren... #NoFilter

Tiefmatt hat sich vorgenommen für den Urlaub zu sparen um dann ein bisschen auf die Kacke hauen zu können, hat beides gut geklappt.
Angekommen in der Grafton Street ging es erstmal zu Marks and Spencer, da wir beide riesige Caitlin Moran-Fans sind. Im M&S gehe ich immer (klar immer, war ja auch schon das zweite mal, dass ich in einem M&S war) zuerst in die Abteilung, wo die meisten älteren Damen abhängen, irgendwas stimmt nicht mit mir. Der kurze Abstecher, den die beiden Mittouristen mit anfänglich aufstöhnendem Augenrollen quittiert haben, weitete sich zu einer Marijkeamadozauberkugelumkleidesession aus und am Ende habe ich sogar ein ganzes T-Shirt mit Greenwashlabel gekauft.


Mächtig stolz und ausgehungert sind wir dann erstmal zu Burger King. Dort esse ich am liebsten den Chicken Nugget Burger, den gibt es aber gar nicht in Dublin!! Das hab ich natürlich vercheckt und es hat einige Zeit gedauert, bis ich das im angeregten Zwiegespräch mit der Burgerverkäuferin gemerkt habe. Ob es am Wetter, den Hormonen, der charmanten Gesellschaft des Cowgirls oder kosmischen Strahlen lag, das war der saftigste Hamburger, den ich bei Burger King je gegessen habe. Auch die Chicken Nuggets (nicht zu verwechseln mit Chucken Norris) hatten eine ganz besondere Würze und Knusprigkeit.

Nach dem erneuten Fressgelage sind wir Richtung Trinity College getrippelt und haben glücklicherweise einfach so "Book Upstairs" gefunden. Dort hab ich Douglas Couplands "Miss Wyoming" gekauft. Cowgirl und Gärtnermeister waren ebenfalls vom Sortiment begeistert. Durch die Nähe zum College gibt es viele Fachbücher, mehr noch als Belletristik und so tolle Kategorien wie Gay and Lesbian und zwar nicht nur mit 3 Alibibüchern bestückt, sondern prall gefüllt mit Belletristik und Sachbüchern, feministischer Theorie usw., es gab sogar mal eine gute Auswahl an lesbischer Literatur (außer Sarah Waters gibts ja sonst eher gar nichts untrashiges, I am looking at you Borders@Madison Square Garden). Die beste Neuentdeckung für uns ist Emma Donoghue, die mir durch "Room" zwar schon bekannt ist, aber als ich ein kleines Präsent für das Cowgirl gesucht habe ist mir "Landing" (auf deutsch grade erschienen unter dem Titel "Zarte Landung") ins Auge gefallen und es gefällt dem Cowgirl außeroderntlich gut oder wie man auf amazonisch sagen würde: 5 Sterne.

Abb.5: Cowgirl entert "Books Upstairs"

Wir sind den Rest des Tages noch gefühlte zwanzig Kilometer durch gefühlte zwanzig Regenduschen und fünf Hagelstürme gelaufen um mit heißen Füßen ins Apartment zu fallen. Dort gab es dann Pie satt und für tiefmatt günstige "Walkers Stem Ginger"-Verschnitte (konsumierte Menge an 5 Tagen: ca. 5x 200g) von Lidl Premium (klare Kaufempfehlung!). Das ist ein Phänomen, dass als es mir das Cowgirl berichtete völlig abwegig klang, denn ich habe immer kalte Füße und schlafe mit dicken Wollsocken (die ich natürlich zu Hause vergessen habe) aber ich hatte abends im Apartment immer heiße Füße und musste die Socke sogar ganz ausziehen! Karla Kolumna sagt: "Sensationell!"

Fortsetzung folgt, ob ihr wollt oder nicht!