Samstag, 15. Februar 2014

Vom Cowgirl zur Insulanerin



Dublin, du verregnete Perle am Meer


Abb.1: Ein Vorteil hat das wechselhafte, tendenziell regnerische Wetter doch zu bieten: Regenbogen (bisher gefundene Goldschätze: 0)


Es hat nicht einmal eine Woche gedauert, um zu verstehen, warum die Iren so viel schwarzen Tee trinken und warum sie vorwiegend in niedlichen Häusern wohnen, nicht breiter als eine Autolänge. Es ist das Wetter. Kein Tag vergeht an dem nicht mindestens einmal ein Regenschauer auf die Erde prasselt. Schlimm für so sonnenverwöhnte Küstenkinder wie mich. Dabei sagt man, dass Dublin im Vergleich zur Westseite der Insel noch bedeutend weniger Regen abbekommt. Na dann man tau. 


Nachdem ich also viereinhalb Monate in Oklahoma verbracht habe, zieht es mich nun auf die grüne Insel, nach Tallaght, einen Vorort von Dublin. Hier werde ich ein paar Kurse des Studiengangs „Creative Digital Media“ am Institute of Technology (ITT) besuchen.

Anfangs war ich wenig motiviert, das gemütliche Nest bei meiner Familie wieder zu verlassen und ins Ungewisse zu fliegen. Doch die Angst, dass ich womöglich keine Wohnung finden würde, erwies sich nach nur zwei Tagen als unbegründet. Hier wird tatsächlich alles recht kurzfristig gehandhabt. Einmal anrufen, Wohnung anschauen, und wenn gleich Einigkeit besteht, wird noch am selben Tag der Mietvertrag unterschrieben. Die Zimmer sind zudem in der Regel mit Möbeln und dem nötigen Zubehör (Bettdecke, Kissen, Küchenutensilien etc.) ausgestattet. 


Hätte ich das gewusst, hätte ich wahrscheinlich nicht pauschal fünf Nächte im Vierbett-Hostelzimmer gebucht. Aber dann wäre ich wiederum auch um die Erfahrung ärmer, wie herrlich ungeniert manche Menschen schnarchen, rülpsen und furzen können – in der schützenden Dunkelheit der Nacht, versteht sich. Und wenigstens hatte ich es so nicht weit zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Dublins: St. Patrick’s Cathedral, Christ Church, St. Stephen‘s Green, Merrion Square, Trinity College usw. usf. Das Schöne ist, dass so ziemlich alles erlaufbar ist (sollte es mal nicht wie aus Eimern schütten). Falls mal Unterschlupf nötig ist: Die größeren Museen, wie die National Gallery oder das National Museum, das über mehrere Standorte in der Stadt verteilt ist, sind eintrittsfrei. 


Als oller Fischkopp gefällt mir das maritime Flair von Dublin sehr. Richtig konnte ich das Meer zwar nicht erlaufen, aber erahnen, als ich am ersten Morgen von dem Gekreische der Möwen geweckt wurde. Außerdem gibt es noch den River Liffey, der Dublin in eine Nord- und Südhälfte teilt, wobei Letztere als wohlhabender gilt. An einem Tag bin ich auch an dem Grand Canal langgewandert, wo mir recht viele Businessleute mit Turnschuhen entgegenhetzten. Es scheint, als ob das eine beliebte sportliche Betätigung für die Mittagspause ist.

What else? Nach all dem langgezogenen, überbetonten Englisch der US-Amerikaner fällt es mir noch schwer, die Einheimischen hier zu verstehen. Die Taxi-Fahrt vom Flughafen zum Hostel war ein Einziges „What?“. Doch sollte ich jemanden nicht verstehen, ist diese Person eigentlich immer lächelnd bereit, es noch einmal zu erklären. Überhaupt sind die Menschen hier überaus freundlich und zuvorkommend (kann aber auch daran liegen, dass sie Mitleid mit dem schniefenden – weil Schnupfen – Mädchen haben, das allein unterwegs ist und noch immer verängstigt über die Straße läuft, ohne so recht zu wissen, ob die Autos nun von rechts oder links kommen). 

Abb.2: abhängen mit Oscar am Merrion Square


Zu guter Letzt noch etwas Senf zu dem Stereotyp über Irland schlecht hin: Pubs. Dadurch, dass ich erkältet hergekommen bin, habe ich noch keines zu später Stunde besucht (#pussy). Von daher kann ich noch nichts bestätigen oder widerrufen. Ich kann nur sagen, dass das Mittagsangebot tatsächlich recht günstig in Pubs ist. 6,50€ für eine Suppe und ein Sandwich. Im zweitteuersten Land der EU (nach Luxemburg) ist das schon ein wahres Schnäppchen.

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