Mittwoch, 22. Januar 2014

Korbleger im Stöckelschuh #acowgirlabroad

Drei Minuten vor Spielbeginn wird das Hallenlicht abgedunkelt. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, das Publikum (vorwiegend Rentner und Familien mit Kleinkindern) applaudiert begeistert. 

Und da ertönt auch schon die peppige Popmusik und dieses unglaublich grausame Einspielfilmchen erscheint. Starspielerin Tiffany Bias stöckelt im kurzen Leopardenmusterkleid und mit rotem Lippenstift durchs Bild. Bis auf eine Spielerin haben alle Mitglieder des Frauenbasketballteams der Oklahoma State University ihre Trikots gegen elegante Kleider getauscht und lächeln gezwungen in die Kamera. Auf der Fremdscham-Skala eine glatte 10. 
 
Abb. 1: (von links nach rechts): Kendra Suttles, Tiffany Bias (besagte Starspielerin) und Kamri Anderson (die einzige ohne Kleid)
 
In dieser Saison sind die Cowgirls bisher ungeschlagen. Und dennoch müssen sie sich den gängigen Erwartungen gerecht als gut aussehende, feminin gekleidete Frauen präsentieren. Sportlerin folgt an zweiter Stelle. Warum frag ich mich? Um unbedingt im "Bible Belt" dem Klischee entgegenzuwirken, dass Frauenbasketball eine Sportart für Lesben ist? Traurig, traurig. 
 
Ich habe schon das Gefühl, dass sich viele Amerikaner – zumindest die akademisch gebildeten – kritisch mit dem vorherrschenden Frauenbild auseinandersetzen. In allen vier „Mass Communication“-Kursen, die ich hier besuche, wurde mindestens einmal auf Sexismus in der Werbung oder den Medien allgemein eingegangen. Als Koryphäe auf diesem Gebiet wurde Jean Kilbourne und ihre verfilmte Vortragsreihe "Killing Us Softly" vorgestellt. Frau Kilbourne zeigt in etlichen Negativbeispielen, wie Werbung Frauen als Objekte bzw. im Falle von afroamerikanischen Frauen sogar als Objekte mit animalischem Touch darstellt.

Ich begrüße auf jeden Fall die Bemühungen der Dozenten und Dozentinnen hier, ihren Studierenden zu vermitteln, dass die Medien größtenteils ein sehr falsches Frauenbild vermitteln und dass es nach wie vor Sexismus ist, der „sellt“. Aber ich glaube auch, dass dies verdeutlicht, dass derartige Geschwüre vor allem in den amerikanischen Medien ein großes Problem sind. Hier muss über so etwas diskutiert werden, weil es einfach verstärkt sichtbar ist. Sicherlich werden Fliesen teilweise auch in Deutschland mit einer nackten, blonden, schlanken Frau verkauft (so gesehen in Leipzig, kein Scherz), aber ich wage doch zu behaupten, dass wir ein ganzes Stück weiter sind, was die Versinnbildlichung von Frauen als Subjekte und denkende menschliche Wesen angeht.

Dass man natürlich nicht alle über einen Kamm scheren kann, zeigt die großartige Bittney Grinerdie sich nicht nur vom Genderkorsett befreit, sondern einfach eine verdammt gute Basketballerin ist

Bleibt nur zu hoffen, dass die Cowgirls ihr Einspielfilmchen in der nächsten Saison noch einmal überarbeiten. Ihre Leistungen sprechen definitiv dafür, sich nicht hinter einem Kleid zu verstecken.


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