Samstag, 19. Juli 2014

Vom Cowgirl/ Insulanerin zum --> Heim@kind


Abb. 1: Des Cowgirls treue Gefährten: Hilde und die Wilde muhen zum Abschied traurig Goodbye bevor wir sie im Rewe als Angus Rindersteak für 2,99 Euro wiedersehen. Fotocredits gehen an Fanni


Das wars also mal wieder. Vier Monate in Irland sind Geschichte und nach krankheitsgeplagten Wochen bin ich nun endgültig in O.C. Graalifornia aka bei Mutti angekommen. Fühlt sich schon komisch an. Jetzt ist die regenbogenbunte Seifenblase namens Auslandsaufenthalt geplatzt und ich muss mich um meine Zukunft in Deutschland kümmern. Das bedeutet, Studium wieder aufnehmen, zurück nach Leipzig ziehen und vor allem darauf setzen, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen Bestand haben. Das Motto "nach mir die Sintflut" zählt nicht mehr. Aber rumheulen will ich jetzt deswegen nicht. Je ne regrette rien.



Irland hat mir noch einmal gezeigt, wie vielfältig Europa ist. Nicht nur, was die irische Kultur anbelangt, sondern auch die meiner Erasmus-Homiez. Und dennoch kam das Gefühl hoch, dass sich Europa-intern einige Ähnlichkeiten auf kultureller Ebene ergeben: menschliche Eigenheiten werden akzeptiert, ein gewisses Umweltbewusstsein an den Tag gelegt und "Pace et Amore" noch großgeschrieben. Irgendwie haut das mit der vielbeschworenen Wertegemeinschaft schon hin... Außerdem habe ich mal wieder gemerkt, dass ich manche Dinge an Deutschland schon ganz gerne mag ("normales" Wetter, Toleranz, Vielfältigkeit, Ordnung im Sinne von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit) und dass ich in meinem nächsten Leben gerne Französin wäre (diese Eleganz!).


Abb. 2: eben erwähnte Eleganz, waghalsig und grazil halten sich die Waage, was fehlt ist das Bretonshirt und die Gauloises, die lässig im Mundwinkel hängt, laissez-faire ma seur


Da ich ja immer gerne pseudo-tiefgründige Analysen durchführe, hier meine zu Irland: Irgendwie habe ich das Gefühl bekommen, dass die Iren eine gewisse Grundaggressivität an den Tag legen (konzentriert in Dublin). Vielleicht liegt das an der weitläufig bekannten Pubkultur oder aber auch an teilweise härteren Lebensbedingungen (arbeitstechnisch aber vor allem angesichts des Wetters – man mag das ja gar nicht so für vollnehmen, aber wenn es nahezu jeden Tag mindestens einmal regnet und stürmt verändert das die Psyche: Abhärtung bishin zur Schnoddrigkeit). Passend dazu präsentiert sich das irische Englisch, was einfach mal perfekt zu den Menschen passt und mir im Vergleich zu Oklahoma und Großbritannien einfach das Liebste ist (Stichwort Authentizität).



Ob daher wirklich öfter die Fäuste sprechen als anderswo kann ich nicht beurteilen. Eingebrannt hat sich der Abend vor St. Patrick's Day, als am River Liffey zwei Freunde von mir ausgeknockt wurden, schon. Es stellt sich also nicht alles so schön wie in keltisch-koboldiger Kleeblattverklärung (ka-ching) dar. Was in meinem Studienort Tallaght außerdem erkennbar war: In einer Stadt, die quasi am Reißbrett entworfen und innerhalb von 30 Jahren ein Bevölkerungswachstum von 5.000 auf 70.000 erlebt hat, ist ein erfülltes Leben durchaus schwer. Es gibt kein wirkliches Stadtzentrum, dafür riesige Harry-Potter-Gedächtnis-Reihenhaussiedlungen. Arbeits- beziehungsweise Freizeitperspektiven sind daher Mangelware und (Drogen-)Kriminalität spielt eine übermäßige Rolle. Sobald ich waschechten Dublinern erzählte, dass ich in Tallaght wohne, schüttelten diese nur mit dem Kopf und sprachen abschätzig vom "Pickel" vor Dublins Stadtgrenzen. Und alle so yeah. 


Abb. 3: Tallaght confidential: Des Pickels schwelender Herd, Keimzelle der Kriminalität (tiefmatt befindet sich im akuten Dramatisierungsstadium, ein Symptom des ausklingenden Semesterstresses, entschuldigt)




Naja, ich habe trotzdem das Beste draus gemacht und mich nicht von witterungsbedingten oder menschlichen Widrigkeiten aufhalten lassen. Und tatsächlich waren die meisten IrInnen (kann man das gendergerecht so schreiben?!) mehr als freundlich zu mir (wer sich jetzt fragt: "wie soll das denn funktionieren? Es gibt doch gar keine Steigerung von freundlich Uschi!", dem sei gesagt: Übertreibung rulez!). Ich wurde warmherzig aufgenommen, durfte sogar im Uni-Team Basketball spielen und in trauter Runde Jägerbomb trinken (Letzteres hätte ich mal nicht so oft tun sollen, dann hätte ich weniger Erinnerungslücken und mehr zu berichten... wie gesagt Übertreibung).



Nun ist also Schluss. Bestimmt werde ich mich in ein, zwei Monaten nach der Zeit in Irland und den USA zurücksehnen. Aber jetzt erfreue ich mich erstmal am Sommerwetter, beklatsche, dass alle auf der rechten Straßenseite fahren und genieße ordentlichen Kaffee und Stulle. Tschüßing. 

Abb. 4: Des Cowgirls ehemalige Küche im Mietshaus zeugt von einer, uns irrational erscheineden, Angst vor dem Ausbruch einer potentiell alleszerstörenden Feuerbrunst, die selbst der alltägliche Regenguss nicht zu stoppen vermag. Sicherheit geht vor. Berlin ist noch nichtmal Feuermelderpflichtig. Was für eine Welt!

Donnerstag, 1. Mai 2014

Gelesen: The Sex Lives Of Siamese Twins

tiefmatts nicht ganz vorurteilfreie Gedanken vor Lektüre des Buches: "Kultbücher" vom Autorenschlag wie Welsh oder Niven sprechen wohl eher Männer ab dreißig an, die von einem wilden Sexualleben träumen ohne vorher eine 180°-Drehung in Richtung Traummann hinlegen zu müssen. Die Protagonisten sind meistens farblose Normalos, die aber einen Funken Talent innehaben und ein Quäntchen Bauernschläue zum Buschfeuer entfachen und alles plattwalzen was ihnen im Weg steht (gehasste Vorgesetzte, Miezen und durch eine Verkettung von abgedrehten Zufällen entstandenen Blutfehden mit Gangsterbossen/gewaltbrereite Exfreunde etc.). Das ist wohl der Bukowskifaktor, der hat es bekanntlich ja auch geschafft jeden noch so ranzigen Säufer mit Schreibmaschine und ohne Geld in die Arme einer willigen, barbusigen Sirene zu manövrieren.

"The Sex Lives of Siamese Twins" Irvine Welsh 2014

Abb.1: Dieses Buchcover...hat am Ende doch seine Berechtigung



 Es geht um eine Fitnesstrainerin namens Lucy die nachts auf der Autobahn in einen bewaffneten Überfall gerät, dem schießwütigen Kerl die Waffe abnimmt und zwei winselnden Gestalten das Leben rettet. Die Heldentat wird von der depressiven, übergewichtigen Lena mit dem Handy gefilmt, die das Video an die Presse weitergibt und Lucy zum Fernsehstar macht.
Lucy ist ein Hardbody und fanatische Fitnessprophetin, wurde vom Vater zu Disziplin erzogen und kennt kein Erbarmen, wenn es darum geht, Couchpatatoes von der Couch auf die Tretmühle zu bekommen, egal wie.
Lena ist ein Mädchen aus dem mittleren Westen, die in Chicago Kunst studiert hat, an den falschen Freund geraten ist, der ihr den Erfolg in der Kunstwelt nicht gönnte und sie nach Miami geschleppt hat um sie fernab von Freunden und Gönnern emotional und finanziell ausbeuten zu können und sie dann abserviert.
Inspiriert von Lucys Heldentat beschließt Lena sich ihren Panzer aus Fett abzutrainieren und heuert Lucy als Personal Trainerin an. Lucy hat grade einen Höhenflug, das Medieninteresse ist so groß, dass sie ein Angebot für eine eigenen Abnehmshow im Fernsehen bekommt. Auf der Höhe ihres Erfolgs schlägt der Wind plötzlich um, als herauskommt, wie es zu der Situation auf der Autobahn kam und in welcher Beziehung die Beteiligten zueinander stehen. Lucy muss zusehen, wie ihr alle Felle davonschwimmen und das kann sie nicht einfach hinnehmen.

Chapeau, Irvine Welsh. Die beiden weiblichen Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet. Die bisexuelle, erbarmungslose und doch nicht hohlbratzige Lucy, die immer schon eine Kämpferin war und sich ihre Authentizität bewahrt, egal wie unangebracht es in mancher Situation sein mag. Lena, die man erst wie einen Plagegeist, einen Parasit (aus Lucys Augen) wahrnimmt und die dann doch eine eigene Stimme erkämpft und die Lucy in ihrer Willensstärke und Sturköpfigkeit in nichts nachsteht.
Die Entwicklung der Handlung wird vor allem aus Lucys Sicht, aus Email-Korrespondenzen, Tagebucheinträgen und Briefen und später auch aus Lenas Sicht dargestellt, was den Lesefluss nicht beeinträchtigt, sondern der ganzen Geschichte eine Mehrdimensionalität gibt und auch wesentliche Charakterzüge der Hauptfiguren sehr gut nachzeichnet.
Das Buch war nie langweilig, hat nie an Geschwindigkeit verloren, die Handlung spitzt sich immer weiter zu, aber auch wenn diese ganze Umgebung so oberflächlich scheint, die Botoxbarbies aus Miami, der omnipräsente Medienhype und ein siamesisches Zwillingspaar aus Arkansas und deren vermeintlichen Sexualleben, der aber auch hervorragend als Leitline und Metapher für die beiden Frauen herhalten kann, all das wirkt so übertrieben und doch real, denn für die beiden ist es real und als Leser war es einfach nur amüsant dem Treiben beizuwohnen. Sollte diese Buch verfilmt werden (dann wird es sicherlich sexuell wesentlich kontroverser und realistischer als fifty shades of grey) dann bin ich stark dafür Welshs Version der Besetzung des Zwillingspaares genauso ausgeführt wird, in Hollywood ist es ja schließlich Konsens, dass sechsundzwanzigjährige Frauen sechzehnjährige Mädchen spielen.


Sonntag, 30. März 2014

tiefmatt macht Urlaub oder heiße Füße in Dublin/ Tag 1

Es begab sich, dass tiefmatt, von der Sehnsucht nach der kleinen Schwester und der grünen Insel geplagt, ihren kleinen grünen Koffer namens Fiffi zumüllte und bei herrlichsten 21°C und Sonnenschein Berlin verließ und mit dem minimalsten Komfort und maximaler Absturzangst, die eiskalten Schweißhände fest in die trockenheißen Gärnterhände gekrallt, im von Wolkenbrüchen und Hagelschauer geplagten Irland zur Landung ansetzte.

Abb.1: Goodbye Deutschland!

Abb.2: Hello Dublin!

 Dem Taxifahrer machte es sichtlich Freude unsere kleine Weißwurstlederhosendelegation abzuzocken und setzte uns beschwingt vor der Absteige für Feierwütige und Schlaflose ab. Im Reise-Know-How stand doch geschrieben, dass es einheitliche Taxitarife gäbe, an die sich selbst die knilchigsten Kanaillen halten müssten, Mister Gleeson jedoch schien noch ausgefuchster zu sein als manch Bayernfunktionär.

Das Cowgirl quartierte sich bei uns ein und gemeinsam mussten wir über die wohl toteste Ratte Dublins steigen um kulturellen Gepflogenheiten gemäß im vermeintlich günstigsten Supermarkt der Stadt einzukehren,  denn scheinen Tesco und auch namentlich geldbeutelschonende Spar doch in der Preisklasse Edeka/Perfetto mitzuspielen. Wie gut, dass das Cowgirl sich nach zwei Monaten Aufenthalt schon außerordentlich souverän durch die Stadt bewegte und ihre Schwester und Anhang zielsicher um manche Touristenfalle manövrierte.

Was hat der Lidl in Dublin. was es in Deutschland nicht gibt: Einkaufswagen lassen sich nur mit 2 Eurostücken bestücken, gibt nur schwarzen Tee, dafür viel Cheddar, geile Gemüseauswahl, Mincesauce aus der Konserve, TK Pies.

Dank der Entscheidung im Apartment einzuchecken, hatten wir eine großzüge Küche mit Geschirrspüler (aber ohne Schneidemesser) zur Verfügung und haben aufgrund des günstigen Lebensmitteleinkaufs gehörig Geld gespart.

Nach einer durchschnachten Nacht, die das Cowgirl auf einer scharf angezogenen Klappcouch wie eine Feder in der Mausefalle geschlafen hat, sind wir bei schönstem Sonnenschein die 200 Meter zur Christchurch gelaufen, dann zur Saint Patricks Cathedral abgebogen und nach fünf Minuten Fußmarsch völlig durchnässt schutzsuchend ins Kircheninnere gestürzt.


Der Eintritt kostet für Studenten 4,50 Euro. Im Inneren der Kathedrale fallen neben den kunstvoll gestalteten Kirchenfenstern vor allem die vielen Statuen und Stifterportraits auf. Unter dieser Zugestelltheit leidet die Atmosphäre, teilweise hat man das Gefühl, dass manche Statuen die Risse in der Wänden und schlecht verputzte Stellen kaschieren sollen, man konnte sich nicht des Gefühl erwehren, dass das Geld schon immer knapp war und diese ganze Stiftergeschichten die Kommerzialisierung der Kunst eindrucksvoll demonstrierten #AlbrechtvonBrandenburg #HalloMaike. Trotz der Kramladenatmosphäre ist der Besuch in Saint Patricks auf jeden Fall etwas besonderes was man sich nicht entgehen lassen sollte.

Abb.3: Gärtnermeister und tiefmatt demonstrieren eine Auswahl an wettertechnisch ungünstiger Oberbekleidung vor der Fassade Saint Patricks
Unbezahlbarer Expertentipp: Falls ihr plant nach Dublin zu fahren, nehmt euch eine wasserfeste Jacke und Schuhe mit, Regenschirm bergen dank des Windes eher ein Verletzungssrisiko als Nässeschutz.
Auf dem Weg zur Grafton Street haben wir zufällig ein wunderbares Café gefunden, "Tamarama", dort gibt es neben den leckersten Sandwiches der Welt, die mit Bulgursalat serviert werden auch fluffiges Gebäck, schmackhaften Cappuchino und Tee von Teapigs. Die Einrichtung erinnert eher an New Orleans oder ein angesagtes Café in LA und die beiden Betreiber sind tiefenentspannt und aus dem Boxen dröhnen die Fugees. Die Preise sind einwandfrei günstig.

Abb. 4: Leute die im Café ihre Speisen abfotografieren... #NoFilter

Tiefmatt hat sich vorgenommen für den Urlaub zu sparen um dann ein bisschen auf die Kacke hauen zu können, hat beides gut geklappt.
Angekommen in der Grafton Street ging es erstmal zu Marks and Spencer, da wir beide riesige Caitlin Moran-Fans sind. Im M&S gehe ich immer (klar immer, war ja auch schon das zweite mal, dass ich in einem M&S war) zuerst in die Abteilung, wo die meisten älteren Damen abhängen, irgendwas stimmt nicht mit mir. Der kurze Abstecher, den die beiden Mittouristen mit anfänglich aufstöhnendem Augenrollen quittiert haben, weitete sich zu einer Marijkeamadozauberkugelumkleidesession aus und am Ende habe ich sogar ein ganzes T-Shirt mit Greenwashlabel gekauft.


Mächtig stolz und ausgehungert sind wir dann erstmal zu Burger King. Dort esse ich am liebsten den Chicken Nugget Burger, den gibt es aber gar nicht in Dublin!! Das hab ich natürlich vercheckt und es hat einige Zeit gedauert, bis ich das im angeregten Zwiegespräch mit der Burgerverkäuferin gemerkt habe. Ob es am Wetter, den Hormonen, der charmanten Gesellschaft des Cowgirls oder kosmischen Strahlen lag, das war der saftigste Hamburger, den ich bei Burger King je gegessen habe. Auch die Chicken Nuggets (nicht zu verwechseln mit Chucken Norris) hatten eine ganz besondere Würze und Knusprigkeit.

Nach dem erneuten Fressgelage sind wir Richtung Trinity College getrippelt und haben glücklicherweise einfach so "Book Upstairs" gefunden. Dort hab ich Douglas Couplands "Miss Wyoming" gekauft. Cowgirl und Gärtnermeister waren ebenfalls vom Sortiment begeistert. Durch die Nähe zum College gibt es viele Fachbücher, mehr noch als Belletristik und so tolle Kategorien wie Gay and Lesbian und zwar nicht nur mit 3 Alibibüchern bestückt, sondern prall gefüllt mit Belletristik und Sachbüchern, feministischer Theorie usw., es gab sogar mal eine gute Auswahl an lesbischer Literatur (außer Sarah Waters gibts ja sonst eher gar nichts untrashiges, I am looking at you Borders@Madison Square Garden). Die beste Neuentdeckung für uns ist Emma Donoghue, die mir durch "Room" zwar schon bekannt ist, aber als ich ein kleines Präsent für das Cowgirl gesucht habe ist mir "Landing" (auf deutsch grade erschienen unter dem Titel "Zarte Landung") ins Auge gefallen und es gefällt dem Cowgirl außeroderntlich gut oder wie man auf amazonisch sagen würde: 5 Sterne.

Abb.5: Cowgirl entert "Books Upstairs"

Wir sind den Rest des Tages noch gefühlte zwanzig Kilometer durch gefühlte zwanzig Regenduschen und fünf Hagelstürme gelaufen um mit heißen Füßen ins Apartment zu fallen. Dort gab es dann Pie satt und für tiefmatt günstige "Walkers Stem Ginger"-Verschnitte (konsumierte Menge an 5 Tagen: ca. 5x 200g) von Lidl Premium (klare Kaufempfehlung!). Das ist ein Phänomen, dass als es mir das Cowgirl berichtete völlig abwegig klang, denn ich habe immer kalte Füße und schlafe mit dicken Wollsocken (die ich natürlich zu Hause vergessen habe) aber ich hatte abends im Apartment immer heiße Füße und musste die Socke sogar ganz ausziehen! Karla Kolumna sagt: "Sensationell!"

Fortsetzung folgt, ob ihr wollt oder nicht!

Samstag, 15. Februar 2014

Vom Cowgirl zur Insulanerin



Dublin, du verregnete Perle am Meer


Abb.1: Ein Vorteil hat das wechselhafte, tendenziell regnerische Wetter doch zu bieten: Regenbogen (bisher gefundene Goldschätze: 0)


Es hat nicht einmal eine Woche gedauert, um zu verstehen, warum die Iren so viel schwarzen Tee trinken und warum sie vorwiegend in niedlichen Häusern wohnen, nicht breiter als eine Autolänge. Es ist das Wetter. Kein Tag vergeht an dem nicht mindestens einmal ein Regenschauer auf die Erde prasselt. Schlimm für so sonnenverwöhnte Küstenkinder wie mich. Dabei sagt man, dass Dublin im Vergleich zur Westseite der Insel noch bedeutend weniger Regen abbekommt. Na dann man tau. 


Nachdem ich also viereinhalb Monate in Oklahoma verbracht habe, zieht es mich nun auf die grüne Insel, nach Tallaght, einen Vorort von Dublin. Hier werde ich ein paar Kurse des Studiengangs „Creative Digital Media“ am Institute of Technology (ITT) besuchen.

Anfangs war ich wenig motiviert, das gemütliche Nest bei meiner Familie wieder zu verlassen und ins Ungewisse zu fliegen. Doch die Angst, dass ich womöglich keine Wohnung finden würde, erwies sich nach nur zwei Tagen als unbegründet. Hier wird tatsächlich alles recht kurzfristig gehandhabt. Einmal anrufen, Wohnung anschauen, und wenn gleich Einigkeit besteht, wird noch am selben Tag der Mietvertrag unterschrieben. Die Zimmer sind zudem in der Regel mit Möbeln und dem nötigen Zubehör (Bettdecke, Kissen, Küchenutensilien etc.) ausgestattet. 


Hätte ich das gewusst, hätte ich wahrscheinlich nicht pauschal fünf Nächte im Vierbett-Hostelzimmer gebucht. Aber dann wäre ich wiederum auch um die Erfahrung ärmer, wie herrlich ungeniert manche Menschen schnarchen, rülpsen und furzen können – in der schützenden Dunkelheit der Nacht, versteht sich. Und wenigstens hatte ich es so nicht weit zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Dublins: St. Patrick’s Cathedral, Christ Church, St. Stephen‘s Green, Merrion Square, Trinity College usw. usf. Das Schöne ist, dass so ziemlich alles erlaufbar ist (sollte es mal nicht wie aus Eimern schütten). Falls mal Unterschlupf nötig ist: Die größeren Museen, wie die National Gallery oder das National Museum, das über mehrere Standorte in der Stadt verteilt ist, sind eintrittsfrei. 


Als oller Fischkopp gefällt mir das maritime Flair von Dublin sehr. Richtig konnte ich das Meer zwar nicht erlaufen, aber erahnen, als ich am ersten Morgen von dem Gekreische der Möwen geweckt wurde. Außerdem gibt es noch den River Liffey, der Dublin in eine Nord- und Südhälfte teilt, wobei Letztere als wohlhabender gilt. An einem Tag bin ich auch an dem Grand Canal langgewandert, wo mir recht viele Businessleute mit Turnschuhen entgegenhetzten. Es scheint, als ob das eine beliebte sportliche Betätigung für die Mittagspause ist.

What else? Nach all dem langgezogenen, überbetonten Englisch der US-Amerikaner fällt es mir noch schwer, die Einheimischen hier zu verstehen. Die Taxi-Fahrt vom Flughafen zum Hostel war ein Einziges „What?“. Doch sollte ich jemanden nicht verstehen, ist diese Person eigentlich immer lächelnd bereit, es noch einmal zu erklären. Überhaupt sind die Menschen hier überaus freundlich und zuvorkommend (kann aber auch daran liegen, dass sie Mitleid mit dem schniefenden – weil Schnupfen – Mädchen haben, das allein unterwegs ist und noch immer verängstigt über die Straße läuft, ohne so recht zu wissen, ob die Autos nun von rechts oder links kommen). 

Abb.2: abhängen mit Oscar am Merrion Square


Zu guter Letzt noch etwas Senf zu dem Stereotyp über Irland schlecht hin: Pubs. Dadurch, dass ich erkältet hergekommen bin, habe ich noch keines zu später Stunde besucht (#pussy). Von daher kann ich noch nichts bestätigen oder widerrufen. Ich kann nur sagen, dass das Mittagsangebot tatsächlich recht günstig in Pubs ist. 6,50€ für eine Suppe und ein Sandwich. Im zweitteuersten Land der EU (nach Luxemburg) ist das schon ein wahres Schnäppchen.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Sehr geehrte Data Mining-Abteilung,

Hallo Facebook, NSA, Google, BND, ADAC... wer auch immer diese Daten, natürlich nur zu meiner eigenen und zur nationalen Sicherheit, speichert und auswertet, nur ein paar kleine Verbesserungsvorschläge zur Optimierung der von euch so teuer ver- oder gekaufen Werbung, die ihr mir freundlicherweise in jeder freien Spalte meines Browsers zur Verfügung stellt.

Ja, es ist richtig, ich wurde als Frau sozialisiert, aber ich habe überhaupt kein Interesse an Diättricks, ich möchte keine 15 Kilo Bauchfett in 2 Tagen verlieren, ich brauch auch keine Diätpillen und auch keine gephotoshoppten Hungerhaken, die mir vorgaukeln möchten, das (nur) dünn sein gleich gesund sein heißt.

Ja ich lese den Blog The Militant Baker, Lu zieht an und auch weitere Blogs von Menschen, die gewichtstechnisch über der Norm liegen, aber in die Kleidergrößen von Ulla Popken und Happysize passe ich deswegen trotzdem noch nicht.

Falls es euch entgangen sein sollte, kann ja mal passieren, auch wenn ich fast täglich solche Buchhändlerplattformen wie boersenblatt.net oder was-mit-büchern.de besuche, richtig, ich bin Buchhändlerin (steht doch auch im Blog, Na? Ach kommt, wer sonst außer euch liest den denn bitte?) und wie die meisten BuchhändlerInnen, die ich kenne, kann mir Amazon gestohlen bleiben. Außerdem sitze ich doch sowieso an der Quelle, bekomme Rabatt und Leseexemplare. Achso ja, stimmt Ohrstäbchen und Katzenfutter kann ich ja auch dort kaufen, die Katze lebt aber gar nicht mehr bei uns und Ohrstäbchen haben wir noch, danke.

Designeroutlets? Zalando? Stylefruits oder wie diese ganzen Shoppingtempel auch immer heißen mögen, danke, aber nein danke, kein Interesse. Mensch ihr wisst doch, dass ich klobige Orthopädische Einlagen tragen muss und deshalb nur Sneaker oder Herrenschuhe trage. High Heels? Finde ich hässlich und sind nix für meine immer kalten Füße. Hättet ihr mal eine Drohne vorbeigeschickt, hättet ihr doch gesehen, dass wir hier Wohnungs- und Kleidertechnisch gut ausgestattet sind. 

Abb.1: Sach mal, Zalando und Co., habt ihr den vielleicht noch in Größe 41?


Warum ich trotzdem gerne Mode-Blogs lese und mir Buch- und Schminktipps auf Youtube hole? Weil es mir eher um die Persönlichkeit geht, als um die gesponserten Produkte, die sie in die Kamera halten. Sie dienen eher so zur Inspiration und zum Zeitvertreib, nicht um Geld loszuwerden.

Ihr habt doch die Fragmente, die Puzzleteile, aus denen sich meine Cloudgänger-Persönlichkeit zusammensetzt, also dann, um meinen/unseren Vater zu zitieren: "Macht was draus!"

Mittwoch, 22. Januar 2014

Korbleger im Stöckelschuh #acowgirlabroad

Drei Minuten vor Spielbeginn wird das Hallenlicht abgedunkelt. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, das Publikum (vorwiegend Rentner und Familien mit Kleinkindern) applaudiert begeistert. 

Und da ertönt auch schon die peppige Popmusik und dieses unglaublich grausame Einspielfilmchen erscheint. Starspielerin Tiffany Bias stöckelt im kurzen Leopardenmusterkleid und mit rotem Lippenstift durchs Bild. Bis auf eine Spielerin haben alle Mitglieder des Frauenbasketballteams der Oklahoma State University ihre Trikots gegen elegante Kleider getauscht und lächeln gezwungen in die Kamera. Auf der Fremdscham-Skala eine glatte 10. 
 
Abb. 1: (von links nach rechts): Kendra Suttles, Tiffany Bias (besagte Starspielerin) und Kamri Anderson (die einzige ohne Kleid)
 
In dieser Saison sind die Cowgirls bisher ungeschlagen. Und dennoch müssen sie sich den gängigen Erwartungen gerecht als gut aussehende, feminin gekleidete Frauen präsentieren. Sportlerin folgt an zweiter Stelle. Warum frag ich mich? Um unbedingt im "Bible Belt" dem Klischee entgegenzuwirken, dass Frauenbasketball eine Sportart für Lesben ist? Traurig, traurig. 
 
Ich habe schon das Gefühl, dass sich viele Amerikaner – zumindest die akademisch gebildeten – kritisch mit dem vorherrschenden Frauenbild auseinandersetzen. In allen vier „Mass Communication“-Kursen, die ich hier besuche, wurde mindestens einmal auf Sexismus in der Werbung oder den Medien allgemein eingegangen. Als Koryphäe auf diesem Gebiet wurde Jean Kilbourne und ihre verfilmte Vortragsreihe "Killing Us Softly" vorgestellt. Frau Kilbourne zeigt in etlichen Negativbeispielen, wie Werbung Frauen als Objekte bzw. im Falle von afroamerikanischen Frauen sogar als Objekte mit animalischem Touch darstellt.

Ich begrüße auf jeden Fall die Bemühungen der Dozenten und Dozentinnen hier, ihren Studierenden zu vermitteln, dass die Medien größtenteils ein sehr falsches Frauenbild vermitteln und dass es nach wie vor Sexismus ist, der „sellt“. Aber ich glaube auch, dass dies verdeutlicht, dass derartige Geschwüre vor allem in den amerikanischen Medien ein großes Problem sind. Hier muss über so etwas diskutiert werden, weil es einfach verstärkt sichtbar ist. Sicherlich werden Fliesen teilweise auch in Deutschland mit einer nackten, blonden, schlanken Frau verkauft (so gesehen in Leipzig, kein Scherz), aber ich wage doch zu behaupten, dass wir ein ganzes Stück weiter sind, was die Versinnbildlichung von Frauen als Subjekte und denkende menschliche Wesen angeht.

Dass man natürlich nicht alle über einen Kamm scheren kann, zeigt die großartige Bittney Grinerdie sich nicht nur vom Genderkorsett befreit, sondern einfach eine verdammt gute Basketballerin ist

Bleibt nur zu hoffen, dass die Cowgirls ihr Einspielfilmchen in der nächsten Saison noch einmal überarbeiten. Ihre Leistungen sprechen definitiv dafür, sich nicht hinter einem Kleid zu verstecken.


Nur mal kurz Brötchen holen...

Wir sind zurück. Tiefmatt hatte im Buchladen zu tun und das Cowgirl musste nach der Landung in Deutschland erstmal ihren Kulturschock kurieren. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr (uns fällt das aber sicher bei Bedarf nochwas ein). 

Vor ihrer Rückkehr hat die Midwest Diva ihrer trantütigen großen Schwester längst einen Blogpost geschickt, den diese aber aufgrund von akuter Unlust nicht gepostet hat. Neues Jahr, neue Motivation, also hier zack, es geht los mit einem Thema, dass uns beide bewegt und über das wir mal reden sollten: 


Abb. 1: Aktualisiert euren Pokédex! Los Rikachu!